Die Ergebnisse der Umfrage: dicke Luft auf St. Pauli und der Wunsch nach einem Stadtteil für alle

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Am 20.9.2014 haben wir die Ergebnisse der Umfrage Stimmen von St. Pauli auf der Stadtteilversammlung vorgestellt. 792 St. Paulianer*innen haben teilgenommen. Das Ergebnis ist sicher nicht repräsentativ – worum es auch nicht geht –, es gibt aber die Stimmung im Stadtteil sehr detailliert wieder. Und die ist gereizt: Viele St. Paulianer*innen haben ihrem Ärger über die Entwicklung des Stadtteils, die steigenden Mieten, fehlende Beteiligung und die fortgesetzte Eventisierung, gerade auch mit Hilfe der Politik, Luft gemacht.

Die Bewohner*innen haben aber auch klare Vorstellungen, was sie gut finden und was sie sich für den Stadtteil wünschen: ein St. Pauli für alle. Hier einige Auszüge:

  • „Es soll ein Wohnviertel bleiben, und zwar weiterhin eins, das tolerant gegenüber vielfältigen Lebenskonzepten ist – vor allem gegenüber denen, die nicht viel Geld haben. Das macht für mich das Viertel aus.“
  • „..dass wieder mehr Rücksicht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von AnwohnerInnen und Gewerbetreibenden genommen wird, dass sich das Bezirksamt bei Problemen nicht weiter “das ist gelebte Kultur auf St. Pauli„ rausredet“
  • „Dass St. Pauli nie aufhört kritisch zu sein.“
  • „Einen toleranten Umgang der Menschen miteinander. Je älter ich werde desto mehr fühle ich mich ausgegrenzt. Ich würde gerne umziehen, aber im Viertel bleiben, das ist leider zu realistischen Preisen nicht möglich.“
  • „Ich wünsche mir einen toleranten Stadtteil, der den Veränderungen der Welt mit offenen Armen entgegengeht und seinen Reichtum mit denen teilt, die bisher davon ausgeschlossen sind.“
  • „z.B. dass diejenigen die von den Events profitieren auch für die Reinigung der Hauseingänge und Straßen, für das Sonderpolizeiaufgebot etc. zahlen müssen.“
  • „Mehr Sauberkeit. Mehr Kontrolle wegen Ruhe # Lärmbelästigung (besonders an den Wochenenden). Weniger Gewaltbereitschaft.“

Fast zwei Drittel der St. Paulianer*innen geben der Hamburger Politik die Noten 5 oder 6. Warum, begründen sie zum Beispiel so:

  • „…weil Projekte erst vorgestellt werden, wenn sie beschlossen sind und weil die Interessen der AnwohnerInnen überhaupt nicht interessieren.“
  • „…weil ich nicht den Eindruck habe, daß die Hamburger Politik bei ihren Planungen die Interessen der Bewohner des Stadtteils berücksichtigt oder überhaupt Interesse daran hat.“
  • „…als Tourist ist man lieber gesehen als als Steuerzahler.“
  • „…weil man hier den Eindruck bekommt, nur lästig und im Weg zu sein, wenn mal wieder Halligalli stattfinden soll.“
  • „…weil wirtschaftliche Interessen + Tourismus im Vordergrund stehen und St. Pauli als Wohngebiet keine Rolle spielt.“
  • „…weil ich mit meiner Familie keinen bezahlbaren Wohnraum finde.“

Zur Frage, wer über die Planung des Esso-Häuser-Areals entscheiden soll, ist die Antwort eindeutig: 71 Prozent meinen “die Bewohner*innen des Stadtteils” sollen mit entscheiden, 43,6 Prozent sogar, die Bewohner*innen sollen allein entscheiden.

Alarmierend ist die Mietbelastung: 43 Prozent der Teilnehmenden zahlen über 37 Prozent ihres monatlichen Haushaltseinkommens für das Recht zu wohnen. Ein Viertel gibt die Hälfte oder mehr für Miete aus. Das ist zuviel. Die Aussichten sind allerdings düster: Auf St. Pauli gibt es derzeit keine freien Wohnungen für diejenigen mehr, die einen Wohnberechtigungsschein haben. Wer arm ist, wer wenig verdient, ist auf dem Wohnungsmarkt von St. Pauli nicht mehr willkommen.

Die Zusammenstellung der wichtigsten Ergebnisse gibt es zunächst als PDF zum Runterladen. In Kürze wird man die ausgefüllten Fragebögen auch ausführlich hier auf dieser Seite durchstöbern können. Zusätzlich werden wir Auszüge der Antworten im Stadtteil aushängen.

Klar ist jedenfalls: So geht’s nicht weiter. Die St. Paulianer*innen müssen die Ärmel hochkrempeln und noch mehr dafür tun, dass es anders, dass es besser läuft. Die Politik wiederum muss sich überlegen, wie sie wieder ein Gespräch mit dem Stadtteil anfängt, und sie muss zuhören lernen. Die Einrichtung der PlanBude könnte ein Zeichen sein, dass sie dies vorhat. Aber das müssen wir erst einmal abwarten.

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