Die Umfrage – Ergebnisse

Die Ergebnisse der Umfrage haben wir auf folgenden Seiten zusammengestellt:

  • Zum Einstimmen: eine Auswahl von hoffnungsvollen, wütenden oder nachdenklichen Aussagen.
  • Im Stimmenbrowser kannst du alle Antworten auf die einzelnen Fragen durchstöbern.
  • Zu jeder Frage gibt es eine eigene Auswertungsseite. Du kannst die Ergebnisse auf den einzelnen Seiten auch unten kommentieren.
    - 1. Frage: Was gefällt Dir auf St. Pauli?
    - 2. Frage: Was stört Dich auf St. Pauli?
    - 3. Frage: Was wünschst Du Dir für St. Pauli?
    - 4. Frage: Bewertung der Hamburger Politik
    - 5. Frage: Planung des Esso-Häuser-Geländes- 6. Frage: Unterstützung von Flüchtlingen
    - 7., 8. und 9. Frage: Mietbelastung, Wohndauer und Alter
  • Die wichtigsten Ergebnisse gibt es auch hier als PDF zum Runterladen.

Teilgenommen haben insgesamt 792 St. Paulianer*innen. Das Ergebnis ist sicher nicht repräsentativ – worum es auch nicht geht. Es ging bei der Umfragen vielmehr darum, Stimmen aus St. Pauli an die Öffentlichkeit zu bringen, das Gespräch im Stadtteil über die weitere Entwicklung voranzubringen – gerade auch, weil viele nicht zu Initiativen gehören, nicht gerne auf Versammlungen gehen, aber trotzdem etwas zu sagen haben.

Die ausgefüllten Fragebögen geben die Stimmung im Stadtteil jedenfalls sehr detailliert wieder. Und die ist gereizt: Viele St. Paulianer*innen haben ihrem Ärger über die Entwicklung des Stadtteils, die steigenden Mieten, fehlende Beteiligung und die fortgesetzte Eventisierung, gerade auch mit Hilfe der Politik, Luft gemacht. Fast zwei Drittel der St. Paulianer*innen geben der Hamburger Politik die Noten 5 oder 6.

stimmen_von_stpauli_politiknoten

Zur Frage, wer über die Planung des Esso-Häuser-Areals entscheiden soll, ist die Antwort eindeutig: 71 Prozent meinen “die Bewohner*innen des Stadtteils” sollen mit entscheiden, 43,6 Prozent sogar, die Bewohner*innen sollen allein entscheiden.

Alarmierend ist die Mietbelastung: 43 Prozent der Teilnehmenden zahlen über 37 Prozent ihres monatlichen Haushaltseinkommens für das Recht zu wohnen. Ein Viertel gibt die Hälfte oder mehr für Miete aus. Das ist zuviel. Die Aussichten sind allerdings düster: Auf St. Pauli gibt es derzeit keine freien Wohnungen für diejenigen mehr, die einen Wohnberechtigungsschein haben. Wer arm ist, wer wenig verdient, ist auf dem Wohnungsmarkt von St. Pauli nicht mehr willkommen.

Klar ist jedenfalls: So geht’s nicht weiter. Die St. Paulianer*innen müssen die Ärmel hochkrempeln und noch mehr dafür tun, dass es anders, dass es besser läuft. Die Politik wiederum muss sich überlegen, wie sie wieder ein Gespräch mit dem Stadtteil anfängt, und sie muss zuhören lernen. Die Einrichtung der PlanBude könnte ein Zeichen sein, dass sie dies vorhat. Aber das müssen wir erst einmal abwarten.

Alle, die aktiv etwas für St. Pauli tun wollen, möchten wir ermuntern, zum nächsten Treffen von St. Pauli selber machen zu kommen (jeden ersten Montag im Monat, Ort siehe Webseite), bei einer der Arbeitsgruppen einzusteigen oder vielleicht auch selbst eine ins Leben zu rufen.

 

27 thoughts on “Die Umfrage – Ergebnisse

    • Von den Antworten, die wir bekommen, wird keine verloren gehen. Auch nicht die, die nach dem 15. Juli kommen. Alles wird veröffentlicht. Wichtig ist, dass viele Stimmen zusammen kommen.

  1. Mal sehen, ob wirklich alles veröffentlicht wird. Legitimiert ist die hochtrabende “Versammlung” nicht: 400 von 24.000 sind eben nicht “Viele”.

    • Warum sollte nicht alles veröffentlicht werden? Dass auf St. Pauli nicht alle einer Meinung sind, ist klar. Das muss jeder aushalten können.

      Wenn die Politik sich als Treuhänderin begreifen würde, die eine Rückbindung zu den Menschen, die sie repräsentiert, hat, ja haben muss, würde es zu solchen Versammlungen nicht kommen. Diese Rückbindung gibt es jedoch nicht. Ein Gespräch mit den Bewohner*innen auf Augenhöhe findet bisher nicht statt. Also starten wir das Gespräch selbst.

    • ich kenne genug leude die aus zeitlichen gründen nicht bei den versammlungen auftauchen…mich eingeschlossen…meist wird auch nur 1ner los geschickt der hinterher berichtet…

  2. Ich hoffe, es kommen viele Antworten zusammen. Die Politik kann so lernen, daß wir keine meinungslose Masse sind, die nur nörgeln kann, sondern daß wir konstrukive Kritik beisteuern, damit der Stadtteil schön bleibt. Abzuwarten und zu hoffen bleibt, daß es jemanden im Rathaus interessiert.

  3. Super Idee mit der Umfrage! Ich hoffe allerdings, dass durch den Artikel in der Mopo nicht irgendwelche Leute bei der Umfrage mitmachen …

  4. Lustig diese Selbstbeweihräucherung hier. Wer davon ausgeht sich den Besitz anderer anzueigen (Esso-Häuser) und bestimmen zu können was damit passiert hat schon im Vorfeld verloren. Gesprächsangebote gab es genug, aber die wurden nicht angenommen, da die ja vom “bösen Senat” kamen. Also muß man sich nicht wundern wenn das Interesse an einem dan einseitigen Monolog erlahmt. Zum Glück haben wir bestehende Eigentumsgesetze (ist übrigens auch ein Menschenrecht) die solche Anspruchshaltungen schnell im keim ersticken lassen.

    • Art. 14 GG:
      (1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
      (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

      Eigentum bringt also auch Pflichten mit sich.

  5. @NBO: Da verstehst du Artikel 14 des Grundgesetzes falsch, bzw. so wie ein Laie es interpretiert. Das Wohl der Allgemeinheit bezieht sich nicht auf den Wohlfülfaktor von ein paar Individuen. Ferner ist hierbei im GG auch überhaupt kein sozialer Ausgleich zwischen Arm und Reich gemeint, das ist weitverbreiteter Trugschluss. Bitte mal die einschlägigen rechtlichen Kommentare dazu lesen, die auf Anwendungen des § beruhen. In Art. 14 Abs. 2 GG wird mit der sog. Sozialpflichtigkeit ein Kriterium benannt, das allein zu Inhalts- und Schrankenbestimmungen passt: Der Gebrauch des Eigentums (durch den Eigentümer) soll „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“. Dies rechtfertigt es etwa, ihm Beschränkungen aus Gründen des Natur- oder Denkmalschutzes aufzuerlegen. Bei der „echten“ Enteignung i.S.d. Art. 14 Abs. 3 S. 1 GG wird dem Eigentümer das Eigentumsobjekt oder seine Nutzung hingegen entzogen und auf einen anderen übertragen (Güterbeschaffungsvorgang). Deshalb meint „zum Wohle der Allgemeinheit“ hier ein „konkretes, der Erfüllung öffentlicher Aufgaben dienendes Vorhaben, also etwa eine Auto- oder Eisenbahntrasse. Damit ist in keinseter Weise die für die gesellschaft nachrangige Position von ein paar menschen gemeint die sich in ihrem Umfeld schützen wollen. § 14 GG bei so etwas anzuwenden ist juristisch aber sowas von unhaltbar. Bitte erst über die Sachverhalte informieren und dann nicht so etwas posten, damit versucht man Andere nur zu Verführen und das ganze ohne Substanz. Das Eigentumsrecht als Menschenrecht ist hier viel höher eingestuft als ein Sozialklientel das örtlich in der Auflösung begriffen ist, weil sich Siedlungsprioritäten ändern.

    • Erst mal danke für die Ausführungen! Dass diese Interpretation von Art. 14 in Stein gemeißelt ist, sehe ich aber nicht. Der Gehalt der Grundrechte unterliegt seit Gründung der Bundesrepublik Neubewertungen, siehe dazu etwa Urteile des BVG zur informationellen Selbstbestimmung (deren Angreifbarkeit man sich 1949 so noch gar nicht bewusst sein konnte) oder zur Freiheit der Kunst. Auch das Asylrecht konnte 1993 aufgrund neuer politischer Einschätzungen – einmal unabhängig davon, ob man die teilt oder nicht – in seiner Substanz massiv verändert werden. Was ich damit sagen will: Es gehört mit zur politischen Debatte, den Gehalt der Grundrechte immer wieder neu zu justieren. Der Konsens der alten Bundesrepublik, Eigentum sei “unantastbar” (was so ohnehin nicht im GG steht), bröckelt – zurecht, wie ich finde. Andere sehen das anders. Es ist gerade jetzt an der Zeit, über eine wie auch immer geartete “Sozialbindung” des Eigentums zu streiten – über ein “konkretes, der Erfüllung öffentlicher Aufgaben dienendes Vorhaben” hinaus.

  6. @NBO: Artikel 17 Erklärung der Menschenrechte:

    1) Jeder hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen Eigentum zu besitzen.

    2) Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden.

    Die Willkürlichkeit würde jusristisch eintreten, wenn zum Wohle einer Minderheit eine pecuniäre Umverteilung stattfindet. Anders ist es bei Beschränkungen wie z.B. dem Bau von x Prozent Sozialwohnungen die dann laut B-Plan vorgeschrieben sind. Das Sozialgefasel bezüglich Eigentum ist aus juristischer Sicht überflüssig, weil auch schon durch den Menschenrechts-§ nicht durchsetzbar. Es geht hier nur bei Belangen die große teile der Allgemeinheit betreffen, dazu ist St.-Pauli eine zu kleine und zu untergeordnete Einheit. Würde nur gehen bei z.B. Verbreiterung der A 7 auf 20 Spuren weil soundsoviel Millionen Autos da pro Monat durchführen und soundsoviel Arbeitsplätze dranhängen. Der soziale Umbau in St. Pauli mag für Betroffene schmerzlich sein, ist aber komplett unwichtig. Dafür wird man Eigentumsgrundsätze nicht aufgeben, auf denen unser gesamtes Gesellschaftssystem besteht. Bitte diesen Punkt einfach mal so akzeptieren. Egal ob rechts oder links, keine Partei wird den Eigentumsgrundastz angreifen, sonst könnte die gesamte Wirtschaft hier in Deutschland gleich einpacken und nach Asien gehen. Das Präkariat hat hier keine Karten, mag drüber diskutieren wer will ist egal. Bei 45% Immobesitzern in D und bei 90 Mio Lebensversicherungen, alle wären betroffen. Vergiss den weitergehenden sozialen Ausgleich per Gesetz.

    • “Der soziale Umbau in St. Pauli mag für Betroffene schmerzlich sein, ist aber komplett unwichtig.” Das ist mal eine klare Position. Zu der können sich nicht mal die “Volksparteien” durchringen.

  7. @NBO: Ich weiss, das hört sich gemein und herzlos an, ist aber aus juristischer so. Welche Ausgangslage haben wir denn? Es findet zweifelsohne eine Verdrängung des Präkariats statt. Durch unsere sozialen Auffangsysteme landen die Leute aber nicht auf der Straße sondern werden “nur” in Präkariatscluster am Stadtrand verdrängt. Dies ist nicht ausreichend um hier in das Eigentumsgefüge einzugreifen weil:

    1. Die Leute erfahren keine Bedrohung von Leib und Leben
    2. Es handelt sich um Phänomen in angesagten Innenstadtbereichen, ist also ein “Luxusproblem” was ausschließlich den Wohnort anbelangt

    Man kann diesen Entwicklungen zwar mit diversen juristischen Mitteln wie Erhaltungssatzungen etc. begegnen, die halten aber die Entwicklungen nicht auf sondern verlangsamen diese nur. Es findet also kein direkter Eingriff in das Privateigentum statt, man belastet es lediglich mit Vorschriften. Diese Belastung kann aber nicht bis in Unendliche gedehnt werden, sonst würde hier spätestens der BGH oder EuGH eingreifen.

    Ein von dir faforisierter direkter Eingriff in das Eigentum kann nur bei gesamtstaatlichen Notsituationen konstruiert werden. Da hatten wir z.B. das Lastenausgleichsgesetz das bis 1972 lief für den sozialen Ausgleich der Vertriebenen nach dem 2 WK um gesamtgesellschaftlichen Ausgleich herzustellen, davor die Hauszinssteuer etc. Solche Instrumente werden aber nur als Ultima Ratio angewandt, wenn die Gesellschaft oder der Staat eh schon zusammengebrochen ist. Da kann man diskutieren und tolle Ideen sammeln, die augenblickliche Spaltung der Gesellschaft gibt solche Eingriffe trotzdem nicht her. Insofern hört sich meine von dir zitierte Aussage sehr kalt an, entspricht aber der Realität. Nehmen wir das beispiel HH. Bevor hier direkt in Eigentumsrechte eingegriffen würde müsste es zigtausend Obdachlose geben, keine Wohnungen im weiten Einzugsgebiet Hamburgs etc. Vorher steht der Eigentumsgrundasatz von der Wertigkeit über den Belangen von ein paar Einzelnen, wobei ein paar Einzelne auch ein paar tausend Menschen sein können. Die sind aber gesehen auf die gesamtbevölkerung Hamburgs oder will man so etwas bundesweit machen bei 85 Mio. Menschen eine irrelevante Größe im Promillebereich. Diese Aktion hier mag den Leuten vielleicht die Möglichkeit geben das Gefühl zu haben gehört zu werden, Sorgen loszuwerden, Beteilligung zu spüren und man wird vielleicht marginale Änderungen durchsetzen können, am grundsätzlichen Verhalten des Staates wird sich nicht das gerings ändern. Placebos können und werden verteilt werden, die Entwicklung zur wohlhabenden Innenstadt wird das aber nicht im geringsten verhindern. Man sollte sich sowieso drauf einstellen, das unser Sozialsystem in seiner heutigen Form nicht finanzierbar ist (demografische Entwicklung) und hier der Status Quo immer weiter abgesenkt wird. Es ist schlicht kein Geld da für eine soziale Durchmischung auch in angesagten Innenstadtbereichen zu sorgen. Diese Entwicklung wird weiter Fahrt aufnehmen und der Segration weiter Vorschub leisten. Entwicklungen wie in griechenland oder Spanien und Portugal werden wir hier auch noch sehen, wenn der nächste Wirtschaftseinbruch in massiverer Form kommt. Die Ersten die darunter noch mehr zu kämpfen haben werden die dann noch verbliebenen Präkariatsangehörigen (z.B. auf St. Pauli) sein.

    • Endlich mal einer, der die Wahrheit ausspricht. Die Aktion leitet wirklich viele Menschen in die Irre – in dem Glauben man könne hier auf Stadtteilebene das Große Ganze verändern. Es wäre wichtig sich auf die änderbaren Themen zu fokussieren wie die Seilbahn- oder Schulproblematik sowie unmittelbare Hilfe für die wirklich Bedürftigen.

      • @soyu: Das eine schließt das andere nicht aus. Es sind bereits jetzt Leute gegen die Seilbahn aktiv oder setzen sich dafür ein, dass St. Pauli und benachbarte Quartiere eigene weiterführende Schulen bekommen. So einige sind allerdings der Meinung, dass es bei Einzelinitiativen nicht mehr bleiben kann, dass St. Pauli auf der Kippe steht, was Mietenentwicklung auf und den weiteren Umbau von St. Pauli angeht. Wir versuchen mit dieser Umfrage, möglichst viele St. Paulianer*innen an der Debatte zu beteiligen, wie es mit dem Stadtteil weitergehen soll. Die Umfrage ist eine Aktion von vielen, die nötig sind, damit sich etwas im Sinne der Bewohner*innen verbessert – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  8. Vielen Dank für eure Mühe.
    Ich hoffe, dass bei den folgenden Stadtteilversammlungen auch Raum für Themen Jenseits von Gentrifizierung und Esso-Häusern bleibt.

    • Bei der Vielfalt der bereits jetzt vorgeschlagenen Themen für die nächste Stadtteilversammlung wird das sicher so sein.

  9. Leute, macht alle mit. Wählen bringt eh nichts, da sich alle schön ihre eigenen Säckchen voll machen.

  10. Whow – was für eine Debatte!

    Wenn wir auf der Stadtteilversammlung so weiterdiskutieren, wird sie fetzig, abgründig und produktiv wie ein Tarantino-Film >;->
    Wenn es uns dann noch gelingt, unsere geballte Wut gegen politische Entscheidungen auch an die verantwortlichen Adressen zu bringen, dann wird Stimmen-von-St. Pauli ein grandioser Erfolg. Genial :->

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